Heiner Rennebaum Doppelquartett Live

Aktuelle VÖ Juni 2019: CD & Download Umland Records 23

Recorded live at Jazz-Schmiede Düsseldorf by Stephan Vester februar 2nd 2019, binaural 3D Mix by Fritz Hilpert (Grammy nomination for 3D Mix in 2018)

Cover-HRDQ

Ein Jazz-Quartett trifft auf ein Streichquartett, Improvisation auf Komposition.

Jazz quartet meets string quartet, improvisation meets composition.

„…Unter den vielen nicht- bzw. eher unbeabsichtigt revolutionären Musiken gelingt diesem Doppelquartett eine besonders attraktive.“
Among the many non-intentional or rather unintentionally revolutionary musics, this double quartet achieves a particularly attractive one.
Andreas Fellinger in freiStil, Ausgabe 86

1.2.2019 – Loft, Köln, Premiere (Foto: Werner Pillig)

HRDQ-Loft

Jan Klare – Saxofon
Markus Wienstroer – Violine
Pauline Buss – Viola
Beate Wolff – Cello
Veit Steinmann – Cello
Alex Morsey – Bass
Max Hilpert – Schlagzeug
Heiner Rennebaum  – E-Gitarre, Kompositionen

Arrangements fernab klassisch-romantischer Klischees, mal minimalistisch, mal melodiös, mal einfach Klangflächen, bilden den Rahmen. Darin, um im Bild zu bleiben, entstehen farbige Linien auf tiefblauem Grund. Das ist manchmal komplex, aber nie sperrig; eher im besten Sinne eigen.
Arrangements far removed from all classical-romantic clichés, sometimes minimalistic, sometimes melodic, sometimes simply soundscapes, form the framework. Therein coloured lines arise on a deep blue backdrop. It is sometimes complex but never cumbersome; rather unique in the best sense of the word.

2.2.2019 – Jazz-Schmiede Düsseldorf, CD-Mitschnitt (Foto: Christian Haag)

Heiner_Rennebaum_Doppelquartett_Jazz-Schmiede-bw

Josef Engels‘ CD-Besprechung aus der Jazzthing 9-10/2019:

avantgarde
HEINER RENNEBAUM
Doppelquartett Live
(Umland/umlandrecords.bandcamp.com)

Der Gitarrist Heiner Rennebaum hat ein Faible für die Verbindung verschiedener Musikwelten. Das galt in den 1980ern für seine knackige Fusionband Rimaak, zur Jahrtausendwende für sein Jazzelektro-Projekt Bonobo Club und trifft jetzt auch auf sein Doppelquartett zu, dessen Konzert vergangenen Februar in der Düsseldorfer Jazz-Schmiede nun als Album vorliegt. Ein Jazzquartett um den expressiven Saxofonisten Jan Klare trifft auf ein Streichquartett, aber das alles ist weit von betulicher Klassik-Crossover-Ästhetik entfernt. Vielmehr begeben sich die acht Instrumentalisten gemeinsam auf Entdeckerfahrt: Klangflächen werden archäologisch untersucht, aber auch einem heftig keuchenden Urmenschen („Mäandertaler“), Arvo Pärt wird ein Besuch abgestattet, aber auch dem Maghreb oder Bill Frisells mildem Westen. Im elfminütigen Höhepunkt „Solatitut“ kommt dann alles zusammen: räumliche Akkordausbreitungen und Obertonbefühlungen, Reggae-Offbeat und Raserei. Eine innige Verschmelzung.

The guitarist H.R. has a knack to fuse different worlds of music. This applies not only for his upbeat fusion band Rimaak in the 1980s but also for his jazz electro project Bonobo Club at the turn of the millennium and now for his double quartet, the concert of which staged in the Jazz-Schmiede Düsseldorf last February is now available as an album. A jazz quartet featuring the expressive saxophonist Jan Klare comes upon a string quartet but being far way from the fussy classic crossover aesthetic the eight instrumentalist embark on an exploratory jouney: soundscapes are examined archaeologically, a heavily panting man (“Mäandertaler”) , Arvo Pärt is paid a visit, the Maghreb or Bill Frisell`s mild west also. The eleven- minute climax “Solatitut” brings it all together: spatial chord progressions and overtone scores, reggae offbeat and rage. An intimate fusion.

 

Konzertkritik von Bernd Schuknecht:

„In der so gut wie ausverkauften Jazz-Schmiede Düsseldorf war es ein durchweg spannendes Erlebnis, die musikalische Gravitation der beiden instrumentalen Kraftfelder und ihre atmosphärischen Wechselwirkungen zu verfolgen. Als jazziger Pol fungieren Jan Klare (Alt- und Sopransaxofon), Alex Morsey (Kontrabass), Max Hilpert (Schlagzeug) sowie Heiner Rennebaum (E-Gitarren, Kompositionen), demgegenüber bilden Julia Brüssel – die Violinistin ist kurzfristig für den erkrankten Markus Wienstroer eingesprungen – Pauline Buss (Viola), Beate Wolff (Cello) und Veit Steinmann (Cello) den Streicher-Gegenpol. Was sich jetzt nach experimentellem Konfrontationsprojekt anhört, präsentiert sich jedoch insgesamt ausgesprochen harmonisch.
Die Streicher entwickeln durchweg Temperament und finden häufig den Mut, sich in die antreibende Rhythmik von Max Hilpert verstärkend einzubringen. Umgekehrt ist es Alex Morsey, der sich mit gestrichenem Bass immer wieder gern in die ausladenden Klangfelder der Streicher einfügt. Jan Klare hält die expressionistische Fahne hoch und brilliert mit exzellenten Improvisationen (der Titelname „Ja klar“ zeugt vom Respekt des Komponisten für den Bläser).
Wer von Heiner Rennebaum seine früher bisweilen eruptiven Gitarrengewitter erwartete, wird überrascht: nun sind es oft schwebende, fast meditative Sounds, die sein Spiel auszeichnen, etwa Slash-Chord-Zerlegungen, metrische Delays, Stereo-Tremolo-Akkorde oder „eingefrorene“ Flageolett-Töne; und neben seiner Strat spielt er  eine Tele mit Sitar-Brücke sowie eine bundlose Gitarre.
Oft, nicht immer, ist es ein leiser Weg, den er einschlägt, mit langen musikalischen Bögen, die gekonnt die Spannung halten. Seine Kompositionen sind recht abwechslungreich mit Einflüssen etwa von Minimal / Art Rock („Mäandertaler“), arabischer Musik („Ifas“) oder Tintinnabuli-Stil („RFC“). In „Solatitut“ trifft ein folkloristisch anmutendes Thema auf atmosphärische Cluster-Flächen der Streicher – und eine Dynamikspanne von fast nichts bis Ekstase, um am Schluss nach manisch-monotoner fast VU-artigen Groove abrupt zu enden. Dennoch wirkt das Programm nicht beliebig, sondern es entsteht ein homogener Gesamt-Sound, den ich so vorher noch nicht gehört habe.
Heiner Rennebaum ist auf einem an Emotionen reichen, ungemein ästhetischen Weg, der durch das Streichquartett noch ein paar Windungen mit neuen Aussichten mehr erhalten hat. Ein begeistert applaudierendes Publikum folgt ihm da offenkundig gern.“
Bernd Schuknecht (Konzertkritiken u.a. für Bonner Generalanzeiger, Kölnische Rundschau, Aachener Zeitung,  WAZ Essen, die Rheinische Post Düsseldorf sowie die Ruhr Nachrichten Dortmund)

„In the almost sold out Jazz-Schmiede Dusseldorf, it was an exciting experience to follow the musical gravity of the two instrumental force fields and their atmospheric interactions. Jan Klare (alto and soprano saxophone), Alex Morsey (double bass), Max Hilpert (drums) and Heiner Rennebaum (electric guitars, compositions) play the jazzy pole, in contrast Julia Brüssel – the violinist standing in for the sick Markus Wienstroer –  Pauline Buss (viola), Beate Wolff (cello) and Veit Steinmann (cello) the stringsincorporate the opposite pole. At first sight it seems to be an experimental confrontation project but presents itself in a very harmonious way.
The strings
work up temperament and find the courage to engage in the driving rhythm of Max Hilpert. Vice versa, it is Alex Morsey, who often joins the string arrangements with a bow on his upright bass. Jan Klare holds up the Expressionist flag and stands out with excellent improvisations (the track name „Ja klar“– “It s obvious”- shows the composer’s respect for the saxophone player).
Anyone expecting 
Heiner Rennebaum’s  formerly occasional eruptive guitar thunderstorms will be surprised: now it is floating almost meditative sound that characterizes his style, such as arpeggiated slash chords, metric delays, stereo-tremolo-chords or „frozen“ flageollet tones; and next to his Strat he plays a Tele with sitar bridge as well as a fretless guitar.
Often, but not always, it’s a quiet path with long musical arcs that skillfully hold the tension. His compositions are 
varied with influences of Minimal / Art Rock („Mäandertaler“), Arabic music („Ifas“) or Tintinnabuli style („RFC“). In „Solatitut“ a folkloristic theme meets atmospheric cluster sounds of the strings – and a dynamic range from almost nothing to ecstasy, end  the track abruptly  after a manic-monotone almost VU-like groove. Nevertheless, the program does not seem to be arbitrary but it creates a homogeneous overall sound which I never heard before.
Heiner Rennebaum is on a
road rich in emotions, an immensely aesthetic path, which takes due to the string quartet a few more turns with new panoramas. An enthusiasticly applauding audience obviously follows him.
Bernd Schuknecht (concert reviews among others for Bonner Generalanzeiger, Kölnische Rundschau, Aachener Zeitung, WAZ Essen, Rheinische Post Düsseldorf and Ruhr Nachrichten Dortmund)