CD-Kritik “bonobo club” auf Amazon.de 0
Cat.: Allgemein01. Januar 2002
Der Bonobo-Affe blickt gelassen in die Ferne. Dem Menschen ähnlich, aber im Vergleich zu ihm ein friedlicher Zeitgenosse, kann er die Welt auf sich zukommen lassen. Sein Bild gibt dem Cover eine Prise rätselhaften Flairs, und sein Name verhilft dem Projekt zu einem kryptisch postmodernen Titel. Denn eigentlich hat der afrikanische Schimpanse kaum etwas mit der Musik des Bonobo Clubs zu tun. Er diente dem Düsseldorfer Klangtüftler und Studiomusiker Heiner Rennebaum lediglich als Chiffre für weit schweifende akustische Assoziationen.
Gemeinsam mit zwei Hand voll kompetenter Kollegen widmet er sich der individuell geprägten Klangfusion lange Zeit verschmähter Stilpartikel. Rennebaum gräbt Sounds wieder aus, die seit dem Rückzug aus dem Geschäft von Jazzrock-Haudegen wie Jan Ackerman als verschollen galten. Da sägen angezerrte Gitarrenlinien Kanten in den Klangraum und bekommen durch sphärische Keyboardornamente einen ätherisch-abgespacten Charakter. Sie verbinden sich mit schweren Drumbeats aus der Computer-Trickkiste, begnügen sich jedoch nicht damit, die Errungenschaften der DJ-Kollegen zu zitieren. Denn Bonobo Club montiert Erwartungshaltungen, verbindet country-bluesige Andeutungen mit pathetischen Perkussioneinlagen, schleudert Samples in den Groove und würzt ihn mal mit knappen Rap-Lyrics, mal mit rockigen Improvisationen. Das Album konstruiert auf diese Weise ein irritierendes Miteinander stilistischer Gegensätzlichkeiten. Das ist weder Jazz noch Rock, weder Dance noch Pop. Umso besser.
Ralf Dombrowski (Süddeutsche Zeitung, JazzThing, DKultur u.a.)